Weltflucht in die Isolation

Aus dem erdbraunem Gesicht der  afrikanischen Frauen leuchtet mir das Kreideweiß ihres Zähne-Zeigen-Lächelns entgegen. Ein junger Mann ist über und über mit bunten Farbtupfer übersät - eine alte Tradition. Hier sind alle Menschen sehr glücklich. In einem meiner Lieblingscafes trinken die glücklichen Gäste den glücklichen Kaffee von glücklichen Menschen. Aus Afrika. So scheiße geht es den Leuten dort und trotzdem sind sie glücklich.

Viele Westeuropäer gehen einer Geschichte auf den Leim: der Verheißung, mit einer Rückbesinnung auf altmodisch vermeintliche natürlichere Lebensweisen dem Rauschen unserer Leistungsgesellschaft in den westlichen Metropolen zu entgehen. Man zieht zurück auf das Dorf, macht Freiwilligenarbeit in Entwicklungsländern, reist um die Welt, um das postkapitalistische Sinnloch auszustopfen.  Das funktioniert nur leider nicht. 

 

Rumänien ist eine Insel, isoliert vom Rest Europas, irgendwo auf dem Balkan. Isoliert vom Streit um Rechtspopulismus,  Klimawandel, der Kluft zwischen Reich und Arm und den Problemen der  Workaholic-Generation. In Rumänien kümmert man sich nicht um sowas, man lebt für sich mit dem eigenen Haufen an Problemen.  Im Trainingsanzug, dem Dresscode Osteuropas entsprechend, sitzt der Rumäne auf seinem Sofa. Unbeteiligt gegenüber dem Weltgeschehen.

Sehen die Leute um mich herum deswegen glücklicher aus? Offensichtlich nicht. Denn was eine korrupte Regierung, die den Rechtsstaat verachtet, nicht funktionierende Sozialsysteme und wirtschaftliche Perspektivlosigkeit konkret bedeutet, verstehen wir nicht.

Nomaden gelingt es, sich in Timișoara aus deutschem Gehalt von deutschen Kulturinstitutionen eine Parallelwelt  aufzubauen. Manchmal bin ich auch Teil dieser Parallelwelt und manchmal ist Rumänien so schick und westlich, dass man die Realität vergisst.

 

Eine der wichtigsten Dinge, die ich aus Timișoara mit nach Hause nehme, ist  Bewusstsein und Dankbarkeit für die politische Lage in Deutschland. Wir sprechen in Deutschland aus Angst vor dem starken Staat - berechtigt - und vergessen im gleichen Atemzug, wie verheerend ein dysfunktinierender Staat ist.

Und habe die Hoffnung, dass wir als Gesellschaft dieses Geschenk nicht leichtfertig hinnehmen, sondern uns dafür engagieren. 

Ich hoffe, dass wir uns für unsere liberale Demokratie entscheiden - denn darum geht es in den Europawahlen.

 

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