Alltagstrott

Hallo, ihr wunderschönen Menschen da draußen!
Pünktlich zu Halloween hört ihr wieder von mir. Derweilen ihr euch in eure feschen Kostüme schmeist, sitzte ich in der Tristesse meiner Wohnung, die ich aus Umständen nicht verlassen kann, die sich mit dem Zustand Krätze zusammenfassen lassen. Ja, dieses fiese Ding aus dem Mittelalter!
Unser Krankheitspotential ist hoffentlich bald erschöpft. Ansonsten geht es mir aber ganz wunderbar.
In meinen letzten Beiträgen habe ich meiner Gefühlsduselei viel Raum gelassen, deswegen soll es heute um meinen Arbeitstag im Hospiz gehen.
Los gehts! Kurz vor acht Uhr klingle ich am Tor und ziehe mir meine Arbeitskleidung an - bestehend aus einer bordeauxroten Bluse und einer weißen Hose. Hübsche Krankenhauskleidung also. Letztere sitzt am Bäuchlein ganz schön eng, das Essen schmeckt halt. Um acht Uhr beginnt meine "Routine". Dann begrüßen mich Sora L. oder Sora M. mit einer warmen Umarmung, zwei Wangenküsschen und einem fröhlichen "Bună dimineața! Ce faci draga?". Wir machen Frühstück and ich bringe das Essen auf die Zimmer der Patienten und helfe ihnen gegebenenfalls. Danach spüle und desinfiziere ich alle Nachttische. Bis zum Mittag variieren meine Tätigkeiten: mal arbeite ich im Garten, putze einzelne Räume, bügele oder mache Rosenkranzbeten.
Um 12.30 ertönt ein lauter Ruf der kreativsten Variationen meines Namens. Paula, Paulica, Paulina. Alles, nur nicht Pauline.
Nachdem ich in die Küche gesaust bin, wiederholt sich unser morgendliches Vorgehen. Das Essen des Hospizes kommt aus der Cantina, einem Projekt der Caritas. Nachdem ich gespült und gegessen habe, widme ich mich der Gartenarbeit oder dem Bügeln, setzte mich etwas zu den Patienten oder gehe bei gutem Wetter mit ihnen raus. Hin und wieder helfe ich den Soras beim Waschen oder Windeln wechseln. Um 15 Uhr schickt man mich nach hause und ich lasse mich erschöpft mit einer Tasse starkem Kaffee auf das Sofa fallen. Vollkommen im Nachmittagsloch versunken. In der Regel kann ich allerdings dem Verlangen nach Gammeln wiederstehen und raffe mich auf, um Iren zu besuchen oder etwas mit meinen zuckersüßen Mitbewohnern zu machen.
All diese Wortaneinanderreihungen geben euch einen Einblick in meinen Tagesablauf, aber sie können nicht vermitteln, wie es sich anfühlt mit Menschen zu arbeiten, die sich in Pflege begeben, nicht um gesund zu werden, sondern um zu sterben. Als 19 jährige Ausländerin ohne beufliche Qualifikation habe ich wohl keinen objektiven Blick auf dieses Thema und abgeschmackte Plattitüden über den Sinn des Lebens möchte ich an dieser Stelle nicht schwingen. Das haben genügend Poeten vor mir blumiger und aussschweifender getan, als ich jeh dazu im Stande wäre. Nur so viel: ich habe den Umgang mit jedem Betroffenen stets als normales Miteinander zwischen zwei Menschen erlebt - lachend, schweigend und manchmal mit weinendem Herz.
Ich habe den Tod als etwas Konkretes, Persönliches und tröstlich Normales empfunden. Ich habe die Schwestern singend und mit lächelndem Aug arbeiten sehen. Auf dem Nachttisch das sanfte Licht einer Kerze, welches ankündigt, dass jemand von uns gegangen ist. 

Schlussendlich zählt es nicht, wie lange ein Mensch noch auf der Erde verweilt und so könnt ihr euch meine Begegnung mit den Patienten so vorstellen, wie jede andere Begegnung unter dieser Sonne.

Was sonst noch so läuft?
Die Vorbereitungen für Weihnachten sind in vollem Gange: die Weihnachtsbäckerei ist eröffnet, die Finger müde vom Sterne basteln.
Last but not least schulde ich euch noch meinen Dank. Ja, genau dir! Tausend Dank für eure Unterstützung, reges Interesse und vor allem euer Engagement bei unserer Weihnachtspäckchenaktion!
Ohne euch wäre das alles nicht möglich.
Bis zu unserem nächsten Plauderstündchen beim Winterschlaf wünsche ich euch einen wunderschönen Alltagstrott. De-abia aştept! Ich kann es kaum erwarten!

Ne vedem
Paulinchen

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