Zwischen Sommergefühlen und Luftschlössern

Die Junisonne sirrt vom atlantikblauen Himmel während ich mit einem großen Pott Kaffee an meinem Schreibtisch sitze und durch das geöffnete Fenster dem sanften Rauschen des Windes lausche, Sommergefühle inklusive. Das Schuljahr neigt sich dem Ende entgegen – es ist die Zeit, in der gewöhnlich alles zum letzen Mal geschieht bevor ich mich für sechs Wochen in ein tiefes Sommerloch fallen lasse.

Doch dieses Mal wird alles anders!

Das Abitur ist mit Bravour gemeistert und das Gedankenwirrwar in meinem Schädel beginnt sich allmählich zu ordnen. Dennoch sind es nur noch zwei Monate bis ich ausreise – mein Ziel lautet Timişoara, eine wunderschöne Stadt im Westen Rumäniens. Aufgrund seiner pittoresken Altbauten und seines internationales Flairs wird Timişoara gern als kulturelles Zentrum des Banats betitelt.

Besonderen Stolz gebührt der Stadt auch, da sich hier 1989 jener Volksaufstand entzündete, der später Ceausescus Diktatur hinwegfegte.

 

Meine letzten Wochen waren ebenso intensiv und erfüllend wie kräftezehrend und strapaziös.

Eine dunkle Vorahnung sagt mir, dass sich das bis zu meiner Ausreise am 05.08.2018 nicht ändern wird.

Indessen werde ich noch ein kurzes Praktikum auf einer Palliativstation absolvieren, zwei Seminare besuchen und mit Freunden und Familie herumreisen – mein Terminkalender ist dementsprechend bunt, wie ihr euch vorstellen könnt. Trotz der vielen Ablenkungen fühlt es sich ungewohnt an, nicht mehr in die alte Rolle zu passen. Ich erinnere mich an die klugen Worte eines Jesuiten, den wir bei unseren Praxistagen in Zürich getroffen haben: „Man ist nicht Jesuit Volunteer, man wird es!“. Im Moment bin ich weder Schülerin noch Freiwillige, sondern irgendetwas dazwischen. Ich bin mir bewusst, dass diese Entwicklung mich viel Kraft und Überwindung kosten wird, mir aber auch viel zurückgeben wird.

 

Bis zum Abitur war ich in Strukturen gefangen, die mir wenig Freiraum und kaum eigene Entscheidungen erlaubten – das ist ermüdend, aber bequem. Ich habe mich entschieden, meine Komfortzone zu verlassen und neuen Menschen zu begegnen, aber welche Folgen meine Wahl haben wird, kann ich unmöglich absehen. Diese Mischung aus Vorfreude und Angst elektrisiert und beflügelt mich.  Wenn ich die Elbwiesen mit meinem Fahrrad entlangsause und die zarte Silhouette der Dresdener Altstadt bewundere, gewöhne ich mich allmählich an den Gedanken, dass mir dieser Anblick für ein Jahr fern sein wird.

 

Prägnanz und Kürze zählen leider nicht zu meinen Stärken, deswegen hoffe ich, dass ihr mir meine sentimentalen Ausschweife verzeiht und Spaß an meinem ersten Eintrag hattet.

Ich freue mich über jede Frage und Anregung eurerseits und lade euch ein, mein freiwilliges Jahr gemeinsam mit mir zu erleben.

 

Zu guter Letzt möchte ich auf ein Thema verweisen, das mir sehr am Herzen liegt. Um die Projekte vor Ort und weltweit zu realisieren, ist der Jesuitenorden auf Spenden angewiesen. Ich freue mich daher über jeden noch so kleinen Betrag, denn jeder Euro kann Wunder bewirken. Falls ihr euch unsicher seid, denkt bitte daran: es gibt keine dummen Fragen!

 

Allerliebsten Dank für eure Ausdauer und Zeit!

 

Bis bald,

Pauline

 


 

 

So war übrigens unser Vorbereitungsseminar in Moosburg:

 

https://www.jesuitenmission.de/news/von-moosburg-in-die-weite-welt.html

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